Essays
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Der böse Traum vom gereinigten Deutschland
Woran will Bundeskanzler Merz eigentlich das irregulär Migrantische erkennen? Seine Äußerungen zum deutschen Stadtbild sind menschenverachtend. In einer der Nächte nach Friedrich Merz‘ Auftritt in Brandenburg, bei dem er seine Sorge um das deutsche „Stadtbild“ mit der Öffentlichkeit teilte, hatte ich einen Traum. Uniformierte Frauen standen vor meiner Tür und erklärten, ich dürfe mir…
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Rede im Kanzleramt
… Das gegenwärtige gesellschaftliche Klima treibt die Akteur*innen unseres Theaters auseinander. Das ist fatal, denn das dient nur den Feinden der Demokratie. Darum glaube ich, dass es unbedingt notwendig ist, zusammen zu bleiben, und ich glaube, dass Kunst und Kultur der Ort sein könnte, der alle beherbergen kann und auch muss. Weil Kunst und Kultur ein Ort des Humanismus ist. Und…
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Dankesrede anlässlich des Kleistpreises
… Mit der Dichterin M saß ich dieses Jahr für meinen Großvater Shiva. Genaugenommen war es eine sowjetische (oder zumindest meine sowjetische) Version des jüdischen Brauchs des Trauer-Sitzens: Wir tranken Rotwein auf dem Balkon, aßen Butterbrote, fluchten, und ich erzählte, wie Danja, mein Großvater, vom Schrecken über den 7. Oktober 2023 niedergestreckt worden war. Drei Schlaganfälle nach…
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Der Große Hunger und das lange Schweigen
»Geheimnisse« nennt sich ein ukrainisches Spiel, bei dem Kinder ein Loch in die Erde buddeln, alles Bunte hineinwerfen, was sie finden können – blühende Blumen, glänzende Steine, grelle Haargummis, schimmernde Puppenkleidung –, dann legen sie eine Glasscheibe über die Grube, bedecken sie mit Erde und laufen davon. Erst wenn sie sich unbeobachtet fühlen, keh ren…
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Es gibt keine Gedichte über Krieg
Es gibt keine Gedichte über Krieg. Es gibt nur Zersetzung, heißt es bei der Dichterin Lyuba Yakimchuk. Also zerlegt sie die Wörter: Lu-hansk; Don-basssss; und zum Schluss des Gedichts ihren eigenen Namen: Nicht mehr Lyuba steht dort, sondern nur noch „ba!“. Wobei die Formulierung „zerlegt sie“ falsch ist, denn die Wörter, die Orte, die Menschen…
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Dem Hasen weismachen, dass Winter ist
„Sitzen Sie bequem? Haben Sie alles parat, die Öle, das Wasser, Ihre Cremes?“ Mit solchen oder ähnlich Sätzen begannen jene Heil-Séancen, die während der Perestroika ihre Blütezeit hatten und im sowjetischen Staatsfernsehen zur besten Sendezeit übertragen wurden. Die selbsternannten Psychotherapeuten, Hypnotiseure und Gurus bezeichneten sich als Extrasence: Männer, die in Fernsehstudios oder vor ausverkauften Sälen…
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Polizisten sind auch nur Menschen
Polizisten sind auch nur Menschen – lacht über sie! Ein Gastbeitrag für Spiegel online Sag mir, worüber du lachst, und ich sage dir, wer du bist. Geht so das Sprichwort? Wenn nicht, sollte es das. Jeder kennt Blondinen-Witze, Oma-Witze, Polen-Witze, Juden-Witze… Kennt man auch Witze über (blonde) Männer? Über Innenminister? Die Polizei? Über die, die strukturell…
