Muttersprache Mameloschn

Rahel:

Ich saß auf den Stufen zu dieser Kirche gegenüber meinem Haus. Ich habe eine Synagoge gesucht, gebe ich zu, nur um dir schreiben zu können, dass ich dort war und mich schrecklich benutzt gefühlt habe oder sowas, aber ich habe keine gefunden und bin einfach zu der griechisch-orthodoxen Kirche bei mir gegenüber zurückgekehrt.

Ich war so wütend, ich schwappte so über vor Wut, dass du uns wegen dieser Scheiße verlassen hast, also gegangen bist, also nie da warst, also was war jetzt der gottverdammte Punkt für dein Gehen, also ich saß da und wurde nass vom Regen, ich und mein Bier. Ich habe mir gewünscht, dass etwas Schreckliches passiert, das ich dir erzählen könnte. Oder ein Vogel würde mir auf den Kopf kacken, ich weiß nicht, das heißt doch bestimmt in irgendeiner Religion, dass man gesegnet ist, der würde ich dann sofort beitreten. Und weil nichts geschah, und mir echt verdammt langweilig war und ich HASSE es, wenn mir langweilig ist, schrie ich WARUM BIST DU GEGANGEN DU BLÖDER ARSCH WEGEN DIESEM QUATSCH HIER?! 

Ich habe manchmal so Fantasien, dass ich dich in diesem Kibbuz finde, wo du dich hinverschanzt hast. Und dann – Dann – Würde ich mich auf dich stürzen, bis wir nur noch ein Knäul sind. Ich würde mich mit dir verknoten. So ineinander verhaken, bis wir wieder eins sind. Das sind wir nämlich. Das kannst du nicht entwirren. Nichts kann das entwirren. Nichts kann das. 

Pressespiegel Muttersprache Mameloschn-Teil-1
Pressespiegel Muttersprache Mameloschn-Teil-2